Die Angst vor dem Verlieren

Da heißt es doch beharrlich, Kinder könnten so schlecht verlieren. Von wegen! Sie verlieren ständig. Die Mütze, den Aufkleber des großartigsten FC Bayern Spielers für das Sammelalbum, welcher ja bedeutend wichtiger ist als die olle Mütze. Zumindest aus Kindersicht. Sie verlieren die siebte Brotdose beim Waldtag und wir unsere Nerven. Mama den Haustürschlüssel und Junior seine Sprache, wenn es darum geht, uns zu sagen, wo er eben jenen Schlüssel versteckt hat.

Suchen. Eine Stunde am Tag= Stunden im Jahr = Jahre, bis unser Kind 18 und dann hoffentlich aus dem Haus ist. Ja, wir hegen tatsächlich noch diese naive blauäugige Hoffnung.

Letzte Woche hielt mich ein Mann an seinem Werbestand im Supermarkt auf. Er bot nicht etwa stinkige Käsehäppchen oder duftende Krapfen im Dutzend an, sondern Peilsender für Kinder. Die knubbeligen Handys bieten die Funktionen eines Navigationssystems, elektronischen Fußschellen, Notruftaste und Signal fürs elterliche Handy in einem. Für ein Kind - nein! Die Idee an sich ist aber nicht verkehrt, wir könnten einen solchen Peilsender diversen Gegenständen anhängen, die regelmäßig verloren gehen. Handschuhen zum Beispiel. Einer fehlt immer. Ähnlich verhält es sich mit Socke, wobei ich bezweifle, dass der Sender waschmaschinentauglich ist. Doch auch der Autoschlüssel, der passende Deckel zur Tupperschüssel oder gerade aktuell meine Sonnenbrille hätten ein „Ich-finde-alles-auf-der-Stelle-wieder“ Gerät nötig. Aber unseren Nachwuchs mit Fußfesseln in die Kindheit entlassen? Wer soll da denn unbeschwert aufwachsen können? Nein, danke.

Also werde ich mich wohl auch bis auf weiteres auf die eigenaktive Suche begeben und meinem Kind die Freiheit lassen.

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